IEA veröffentlicht Global Hydrogen Review 2026

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am 18. Juni 2026 die sechste Ausgabe ihres Global Hydrogen Review veröffentlicht. Prägend für die diesjährige Ausgabe ist der Krieg am Persischen Golf, der auch die Erzeugung und den Handel mit wasserstoffbasierten Produkten schwer belastet. Die Region beherbergt rund ein Sechstel der globalen Wasserstofferzeugung und trägt über ein Viertel zum Ammoniak-, knapp 40 Prozent zum Harnstoff- und nahezu 45 Prozent zum Methanolhandel bei. Die Schließung der Straße von Hormus traf daher besonders die Düngemittelmärkte. Daraus leitet die IEA ihr diesjähriges Leitthema ab: Wasserstoff und wasserstoffbasierte Brennstoffe können die Resilienz des Energiesystems erhöhen, indem sie heimische Produktion, Preissicherheit und eine breitere Lieferantenbasis ermöglichen. Diese Wirkung tritt jedoch nicht unmittelbar ein: Kurzfristig ist emissionsarmer Wasserstoff nicht in dem Maßstab verfügbar, der die aktuelle Lage entlasten könnte. Politische Unterstützung bleibt notwendig, um die Kostenlücke gegenüber fossilen Verfahren zu schließen; mit Ausnahme Chinas, wo erneuerbarer Wasserstoff bis 2030 wettbewerbsfähig werden könnte, bleibt er kurz- und mittelfristig teurer als fossil erzeugter Wasserstoff ohne CO2-Abscheidung.

Verhaltenere Aussichten als im Vorjahr

Die globale Wasserstoffnachfrage überschritt 2025 zwar erstmals 100 Millionen Tonnen, getragen von Raffinerien und der Chemie- und Stahlindustrie, doch entfiel davon mit knapp 1 Million Tonnen weiterhin nur rund ein Prozent auf emissionsarm erzeugten Wasserstoff – trotz eines Zuwachses von 20 Prozent. Zugleich ließ die Investitionsdynamik nach: Die Projektpipeline für emissionsarme Produktion bis 2030 schrumpfte um 10 auf 27 Millionen Tonnen.

Aber trotzdem Wachstum

Die jährliche Produktion von emissionsarmem Wasserstoff stieg seit 2021 um 90 Prozent, die Leistung der installierten Elektrolyseure hat sich in diesem Zeitraum auf das 13-fache erhöht. Die installierte Elektrolysekapazität verdoppelte sich 2025 zwar auf über 4 Gigawatt, blieb dabei aber stark auf China konzentriert, das rund drei Viertel der Neuinstallationen stellte.

Konsolidierung in der Technologieproduktion

Die Fertigung tritt weltweit in eine Konsolidierungsphase ein: Schwache Nachfrage und hohe Überkapazitäten setzen die Hersteller finanziell unter Druck. In China verschärft der Preiswettbewerb unter den Herstellern die Lage und drängt sie verstärkt auf Auslandsmärkte. 

Nachfrage als zentraler Engpass

Als entscheidenden Engpass identifiziert die IEA weiterhin die Nachfrage. Neue Abnahmevereinbarungen blieben 2025 mit rund 1,7 Millionen Tonnen auf dem Niveau des Vorjahres, nur etwa ein Fünftel davon durch verbindliche Zusagen abgesichert. Impulse kommen vor allem aus der europäischen Regulierung: Schon 13 Mitgliedstaaten haben die Verkehrsvorgaben der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) – darunter die Quoten für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biogenen Ursprungs (RFNBO) – in nationales Recht umgesetzt und damit vor allem für Raffinerien zusätzliche Nachfrage nach emissionsarmem Wasserstoff geschaffen. Österreich startet hierzu am 25. Juni den öffentlichen Diskussionsprozess zum Erneuerbaren Energie Gesetz – Verkehr, HyPA wird berichten. Weiters gibt es in der EU klare Vorgaben für den Einsatz von nachhaltigen Treibstoffen im Luftverkehr.

Kosten für wettbewerbsfähigen Wasserstoff

Die akzeptablen Wasserstoffkosten für die meisten Sektoren liegen lt. IEA unter 2 USD/kg. Dieser Wert gilt ohne einen Preis für Treibhausgas-Emissionen und weitere politische Maßnahmen, die diesen Wert deutlich nach oben bringen können. Die Unterschiede zwischen den Sektoren in den verschiedenen Regionen – die in der Analyse detailliert betrachtet werden – sind jedoch beträchtlich. Für Europa werden für 2035 die Sektoren Flugverkehr, Schifffahrt, Ammoniakproduktion und der Einsatz in Raffinerien genannt, die sich dann unter den derzeit sich abzeichnenden Rahmenbedingungen und Produktionskosten von 2,7 USD pro kg H2 rechnen. Da in China für 2035 von – im günstigsten Fall – nur halb so hohen Produktionskosten für erneuerbaren Wasserstoff ausgegangen wird und Emissionen ebenfalls bepreist werden, ist dort auch der Einsatz für die Methanol- und Stahlproduktion dann wettbewerbsfähig. 

Geologischer Wasserstoff

Eine der diesjährigen Key Questions des Reports widmet sich auch dem geologischen Wasserstoff, dessen Erforschung zunehmend Aufmerksamkeit erfährt. Immerhin gingen im Jahr 2025 15 Prozent des gesamten Venture-Kapitals für Technologien zur Erzeugung von Wasserstoff an Start-Ups in diesem Bereich. Falls der geologische Wasserstoff nicht durch menschliche Aktivitäten erzeugt wird, spricht man auch von natürlichem Wasserstoff (dazu gibt es ein aktuelles HyPA-Factsheet).

Schwerpunkt Afrika

Ein Schwerpunktkapitel behandelt Afrika. Die zentrale Hürde liegt dort nicht im Potenzial, sondern in den hohen Kapitalkosten, die bis zur Hälfte der Produktionskosten ausmachen. Die IEA sieht die realistischere kurzfristige Chance weniger im Export als in der Düngemittelversorgung: Eine wettbewerbsfähige Ammoniakproduktion könnte dort die Importabhängigkeit verringern. Weiters weist die IEA darauf hin, dass die Entwicklung von nachhaltigen Exportprojekten mit einer Verbesserung der Grundversorgung der Menschen vor Ort mit Energie und Wasser einhergehen sollte. 

Fortschritte in Österreich

Für Österreich verzeichnet der Bericht konkrete Fortschritte. Im Oktober 2025 erhielten vier heimische Projekte auf Grundlage des österreichischen Wasserstoffförderungsgesetzes (WFöG) Zusagen über insgesamt 275 Millionen Euro; die Förderverträge sind inzwischen allesamt unterzeichnet. Unter dem Clean Industrial Deal State Aid Framework kündigte Österreich zudem 100 Millionen Euro für die Elektrolyseur- und Brennstoffzellenfertigung an.

Empfehlungen

Die IEA empfiehlt, die 2030-Ziele zu überprüfen und in langfristige Energiesicherheitsstrategien einzubetten, die Nachfrage durch Quoten und öffentliche Beschaffung gezielt zu schaffen, die Produktionsförderung auf umsetzungsreife Projekte auszurichten, den Infrastrukturausbau über effizientere Genehmigungen und Industrie- und Hafencluster zu beschleunigen und Schwellenländer beim Aufstieg in der Wertschöpfungskette zu unterstützen.

 

Zum Report: LINK.