Interview: Grazer Team im Weltfinale des Hydrogen Grand Prix

Anfang Juli fand das Weltfinale des Hydrogen Grand Prix statt, bei dem Österreich erneut durch das Grazer Team HyRaceA in der Prototyp-Kategorie vertreten war. Auch wenn es diesmal nicht für einen Platz auf dem Podium reichte, blickt das Team auf eine erfolgreiche Teilnahme zurück. Abseits des Rennens durfte sich das Team über einen Gewinn in der Kategorie „Promotion“ freuen. 

Beim Weltfinale der Prototyp-Klasse am 3. Juli 2026 in Bulle (Schweiz) traten insgesamt 13 Teams aus aller Welt gegeneinander an. Den ersten Platz belegte ein Schweizer Team, gefolgt von Teams aus Taiwan und den Niederlanden. Das österreichische Team HyRaceA, bestehend aus Studierenden der TU Graz, erreichte Platz acht. Über die Herausforderungen vor Ort, den Rennverlauf und die gewonnenen Erkenntnisse sprechen Teammitglieder Rafael Pinsker und Valentin Riegler im Interview.

 

Wie ging es euch bei den Vorbereitungen zum Finale?

Rafael Pinsker: Nach dem Qualifikationsrennen in Chemnitz haben wir das Auto innerhalb eines Monats nochmal komplett überarbeitet. Die Diskussionen dazu fanden schon auf der Rückfahrt aus Chemnitz statt. Wir haben ein neues Gesamtfahrzeugkonzept entwickelt, dadurch wurde es kleiner, leichter und vor allem robuster. Dafür haben wir eine neue Grundplatte aus Kohlefaserverstärkten Kunststoff anfertigen lassen. Die Hülle haben wir aus Carbon laminiert und sind beim elektrischen Antriebsstrang auf Supercaps (Superkondensatoren) mit größerer Kapazität gewechselt. 

Wie lief es dann beim Finale?

R.P.: Am Anfang vom Rennen hatten wir leichte Probleme: Unser Motor ist überhitzt und wir mussten eine zusätzliche Kühlung integrieren. Dadurch haben wir etwas Zeit verloren. Das war in der ersten halben Stunde des vierstündigen Rennens und danach ist das Auto eigentlich gut durchgefahren. Dieses Jahr waren aber Spitzenteams dabei, bei denen wir einfach nicht mitfahren konnten. Unabhängig vom Rennen haben wir aber die Promotion-Kategorie gewonnen. Dabei ging es um eine Präsentation des Autos vor einer Jury, beispielsweise wie wir welche Bauteile gefertigt haben. 

Valentin Riegler: Wir vermuten, dass auch unser „Technical Report“ reingespielt hat, der sehr ausführlich unser Konzept erklärt hat. 

Wie war die Stimmung beim Finale, hattet ihr Kontakt mit den anderen Teams? 

V.R.: Manche Teams waren schon sehr kompetitiv und haben sich gar nicht in die Karten schauen lassen. Mit anderen Teams gab es einen regen Wissensaustausch, da war die Stimmung sehr locker. Ich habe zum Beispiel dem italienischen Team auch nebenbei etwas geholfen. 

R.P: Insgesamt würde ich sagen, dass das Finale Spaß gemacht hat, aber auch stressig war. 

Was nehmt ihr mit aus dem Rennen – wollt ihr wieder antreten und wenn ja, was würdet ihr anders machen? 

R.P.: Wir möchten auf jeden Fall nochmal antreten. Sehr positiv war, dass wir ein robustes Auto hatten, das das Endurance-Rennen problemlos durchgefahren ist. Darauf können wir gut aufbauen. Verbesserungspotenzial liegt im Antriebsstrang. Außerdem möchten wir eine Art Live-Telemetrie integrieren, sodass wir überprüfen können, was im Auto live gerade passiert und schnell handeln können bei Problemen. Aktuell fahren wir eigentlich blind. 

V.R.: Für nächstes Jahr wollen wir unser Team weiter verstärken. Manche Teams haben 15-20 Mitglieder, wir waren zu fünft und nur vier waren beim Rennen anwesend. 

R.P.: Ein weiterer Punkt, den wir verbessern möchten, sind die Boxenstopps, da können wir noch schneller werden. 

Habt ihr schon Informationen zur Saison 2027? 

R.P.: Uns ist noch nichts bekannt. Nächstes Jahr wird spannend, da es zu Änderungen in der Richtlinie kommen wird. Vielleicht werden wir auf Limitationen stoßen, beispielsweise was unseren Fahrzeugkörper aus Carbonfasern angeht. 

V.R.: Auch bei der Brennstoffzelle könnte es zu Reglementierungen kommen. 

Wie sieht dann euer Plan für das kommende Jahr aus?

R.P.: Wir werden konstant arbeiten und schauen, dass wir die Arbeit gut über das ganze Jahr hinweg verteilen. 

V.R.: Bis das neue Regelwerk veröffentlicht wird, werden wir uns vor allem um die Strukturierung des Teams kümmern. Ab September schätze ich, wird es wieder ans Entwickeln gehen. 

Was möchtet ihr Interessent:innen mitgeben, die überlegen, am Hydrogen Grand Prix teilzunehmen?

V.R.: Neben der Pro Klasse, gibt es auch die Hybridklasse, bei der in erster Linie Schüler:innen mitwirken. Auch für sie bietet das Programm einen großen Mehrwert: Sie können interdisziplinär Dinge lernen, auf die sie selbst Lust haben. Manche möchten vielleicht eher mechanische Konzepte mithilfe von CAD entwickeln. Andere interessieren sich mehr für die elektronisch Konzepte oder für chemische Aspekte, etwa die Weiterentwicklung von Brennstoffzellen. Ich habe meiner alten Schule bereits vorgeschlagen ein eigenes Team zu gründen. 

R.P.: Ganz grundsätzlich würde ich sagen, dass das Programm für alle Schultypen relevant ist und auch für Universitäten. Da das Auto recht klein ist, kann man schnell Ideen umsetzen: Mit einem 3D-Drucker lassen sich schnell Konzepte ausprobieren. Man lernt auch sehr viel über Wasserstoff, vor allem, wie Brennstoffzellen funktionieren und wie man die bestmögliche Leistung erzielt. Ich würde mich freuen, wenn es mehr Teams aus Österreich beim Hydrogen Grand Prix gäbe. 

Neben Rafael Pinsker und Valentin Riegler bildeten Elisabeth Kile, Daniel Berger und Thomas Stadlbauer das Team HyRaceA. Der Livestream des gesamten Rennens ist hier abrufbar.

Das Wasserstoff-Rennauto 2026

Die Trophäe für das Weltfinale 2026

Das Rennen 

© Fotos: HyRaceA