Nachbericht zur HyPA | SEG Jahrestagung 2025

Wasserstoff und Erneuerbare Gase für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Österreich

Bei der Jahrestagung der Hydrogen Partnership Austria (HyPA) und der Servicestelle Erneuerbare Gase (SEG) kamen am 22. Oktober 2025 mehr als 250 Fachleute aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft im Palais Auersperg in Wien zusammen. Im Zentrum standen strategische und praktische Fragen zum Auf- und Ausbau der österreichischen Wasserstoff- und Biomethanwirtschaft – von rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen über Finanzierungsmodelle und Zertifizierung bis zu industriellen Anwendungen. 

Begrüßung und einleitende Perspektiven

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Wolfgang Anzengruber (Vorsitzender des HyPA-Beirats), Sektionschef Benedikt Ennser (BMWET) und Sektionschefin Henriette Spyra (BMIMI). Ennser präsentierte in seinem Vortrag zentrale Maßnahmen der Bundesregierung zur Umsetzung der Wasserstoffstrategie und betonte die Rolle von strategischer Infrastrukturplanung, langfristigen regulatorischen Rahmenbedingungen und der europäischen Integration. Spyra hob in ihrer Rede hervor, dass Österreichs Innovationskraft im Bereich der Wasserstofftechnologien international sichtbar sei, der Übergang von Demonstration zur großtechnischen Umsetzung jedoch weiterhin anspruchsvoll bleibe. Der Erfolg hänge maßgeblich vom Zusammenspiel von Forschung, Industrie und Politik ab, von einer Kombination aus verlässlichen Rahmenbedingungen, gezielter Innovationsförderung und einem offenen, lernenden Ökosystem.

Vorstellung der Initiativen HyPA und SEG

Lorenz Strimitzer (SEG) und Andreas Indinger (HyPA) gaben einen Überblick über die laufenden Aktivitäten beider Plattformen. SEG fokussiert auf Beratung, Vernetzung, Zertifizierungsfragen und Informationsangebote rund um erneuerbare Gase. HyPA verknüpft Industrie, Forschung und Verwaltung und begleitet die Umsetzung der österreichischen Wasserstoffstrategie. Beide Initiativen sind bei der Österreichischen Energieagentur angesiedelt.

EU-Perspektive

Lukas Wernert (Generaldirektion Energie, Europäische Kommission) stellte zentrale europäische Wasserstoffinitiativen vor, darunter die Europäische Wasserstoffbank, IPCEI-Projekte sowie aktuelle Regulierungen zur Definition nachhaltiger Wasserstoffkriterien. Er betonte die Bedeutung transparenter Rahmenbedingungen, harmonisierter Zertifizierungssysteme und gezielter Fördermechanismen für einen funktionierenden europäischen Wasserstoffmarkt.

Sektionschef Benedikt Ennser (BMWET)

Sektionschefin Henriette Spyra (BMIMI)

Breakout-Sessions: Fachliche Vertiefung

Biomethan – Zertifizierung und Handelbarkeit

Die Session beleuchtete Rahmenbedingungen, Marktbarrieren und Perspektiven für die Zertifizierung und den Handel mit Biomethan in Österreich und Europa. Bernhard Wlcek (SEG) skizzierte die derzeitigen regulatorischen Herausforderungen im österreichischen Biomethanmarkt. Christian Schürholz (Agriportance) präsentierte Abläufe und Anforderungen der Zertifizierung in der Praxis. Deniz Becker (AMS Green Markets) gab Einblicke in den europäischen Handel, Förderlogiken und Preistrends. Trotz bestehender Hürden wurde in der Diskussion deutlich, dass Österreich mit Know-how und regionalen Wertschöpfungspotenzialen gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Marktintegration hat.

Breakout-Session: Biomethan – Zertifizierung und Handelbarkeit

Vom Labor in den Markt – Erfolgsrezepte für den Wasserstoffhochlauf

Peter Eisenköck (Andritz), Linda Kirchberger (Wien Energie), Urban Peyker (Klima- und Energiefonds) und Richard Schauperl (AVL) diskutierten, wie Kooperation und Partnernetzwerke Innovationszyklen verkürzen können. Besonders betont wurde die Rolle regulatorischer Vorgaben wie der RED III als Investitionsimpulse. Gleichzeitig brauche es mutige Projektentwicklung, unternehmerisches Commitment und flexible Förderarchitekturen, um aus Pilotprojekten marktreife Lösungen zu machen. Die notwendigen Technologien seien bereits bekannt, nun gehe es darum, sie weiterzuentwickeln und wettbewerbsfähig zu machen und in die breite Anwendung zu bringen.

Die Break-Out-Session „Vom Labor in den Markt – Erfolgsrezepte und Instrumente für den Wasserstoffhochlauf“ widmete sich der Frage, wie Projekte aus der Forschung erfolgreich in die Anwendung überführt werden können. Diskutiert wurden zentrale Erfolgsfaktoren für den Markthochlauf sowie die Rolle von Förderinstrumenten bei der Beschleunigung dieser Marktüberleitung. Die Moderation übernahm Andreas Indinger (Österreichische Energieagentur, HyPA). An der Diskussion nahmen Peter Eisenköck (Andritz), Linda Kirchberger (Wien Energie), Urban Peyker (Klima- und Energiefonds) und Richard Schauperl (AVL) teil.

Aus Sicht von Andritz hob Peter Eisenköck die Bedeutung von Partnerschaften hervor. Eigene Erfahrungen würden zeigen, dass Technologien nicht vollständig neu entwickelt werden müssen, sondern durch die Zusammenarbeit mit Partnern auf vorhandene Expertise aufgebaut werden kann. Dies ermögliche eine raschere Markteinführung. Auch Linda Kirchberger betonte für Wien Energie die Relevanz strategischer Kooperationen. Es gelte, interne Kompetenzen gezielt zu nutzen und fehlende Expertise von außen einzubinden. Zwar sei es herausfordernd, unterschiedliche Akteure an einen Tisch zu bringen, doch sei Zusammenarbeit für das Gelingen von Wasserstoffprojekten entscheidend. Beide Unternehmen verwiesen zudem darauf, dass Wasserstoff konzernintern positiv bewertet werde, was das Entstehen erfolgreicher Vorzeigeprojekte begünstige. Weitere genannte Erfolgsfaktoren waren Mut zum Handeln, unternehmerisches Denken, Offenheit für Neues sowie Ausdauer und klare Verpflichtung („Commitment“), da Projekte häufig komplexer verlaufen und mehr Zeit benötigen als geplant.

Neben internen Faktoren rückte Richard Schauperl (AVL) die Bedeutung regulatorischer Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt – insbesondere der RED III. Da erneuerbarer Wasserstoff derzeit teurer ist als fossiler, seien klare Vorgaben erforderlich, um Investitionen und Offtake-Verträge abzusichern. RED II habe bereits wichtige Impulse für Großprojekte geliefert. Peter Eisenköck verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit, europäische Vorgaben rasch in nationales Recht zu überführen. AVL thematisierte zudem die Abhängigkeit von OEMs, die aufgrund technologischer Unsicherheiten Investitionsentscheidungen aufschieben – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Entwicklungsgeschwindigkeit.

Europa, insbesondere Österreich, wurde als wichtiger Standort für Innovation identifiziert. AVL hob die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen hervor. Förderinstrumente können diese Kooperationen stärken und die Umsetzung erleichtern. Besonders wirksam seien aus Sicht des Klima- und Energiefonds kooperative Programme bis hin zur Demonstration, die nahtlose Übergänge zwischen Forschungs- und Umsetzungsphasen ermöglichen. Urban Peyker betonte, dass Innovationsprozesse nicht linear, sondern zyklisch verlaufen. Rasche Rückkopplungsschleifen seien wesentlich; daher sollten Forschung, Entwicklung und Demonstration gemeinsam ausgeschrieben werden. Die Technologien seien grundsätzlich vorhanden – nun gehe es darum, sie in die Anwendung zu bringen. Zentral sei dabei, Energieversorgung, Klima- und Industriepolitik gemeinsam zu denken.

 

Breakout-Session: Vom Labor in den Markt – Erfolgsrezepte für den Wasserstoffhochlauf

Finanzierung von großen Wasserstoffproduktionsprojekten

In dieser vom Beratungsunternehmen Fingreen konzeptionierten Session beleuchteten Beiträge von Matthias Greiml (Energie Steiermark Wasserstoff GmbH), Manuel Beschliesser (LAT Nitrogen), Franz Winkler (HyCentA) und Matthias Pastl (voestalpine) die praktischen Erfahrungen rund um aktuelle – erfolgreiche sowie gescheiterte – Großprojekte. Die Diskussion zeigte, dass für die Finanzierung von Wasserstofferzeugungsprojekten vor allem planbare Kosten, langfristige Abnahmeverträge, stabile Förderarchitekturen und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen von großer Bedeutung sind. Nur so kann privates Kapital nachhaltig mobilisiert und der Aufbau einer wirtschaftlich tragfähigen Wasserstoffwirtschaft gesichert werden.

Die Session „Finanzierung von großen Wasserstoffproduktionsprojekten“ wurde von Lukas Stühlinger und Alexander Panhofer (beide Fingreen) vorbereitet und moderiert. Impulse kamen von Matthias Greiml (Energie Steiermark Wasserstoff GmbH), Manuel Beschliesser (LAT Nitrogen), Franz Winkler (HyCentA) und Matthias Pastl (voestalpine). Ergänzt wurde die Diskussion durch Expert:innen aus dem Bankenbereich.

Matthias Greiml, Geschäftsführer der im Mai 2025 gegründeten Energie Steiermark Wasserstoff GmbH, erläuterte die strategische Rolle von Wasserstoff für die steirische Industrie und die Herausforderungen bei der Finanzierung und Umsetzung entsprechender Projekte. Er stellte unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten dar – von Mobilität über stoffliche Nutzung (z. B. in der Chemie) bis hin zu thermischen Anwendungen zur Prozesswärme.

Für den Hochlauf sieht er zwei Hauptlieferformen:
• Direktleitungen für B2B-Abnehmer
• Trailerbelieferung für dezentralen Bedarf

Beide Varianten sind mit hohen Anforderungen an Infrastruktur und Versorgungssicherheit verbunden. Ein zentrales Hemmnis ist die fehlende H₂-Kernnetz-Infrastruktur. Ohne überregionales Netz entsteht eine 1:1-Abhängigkeit zwischen Produzenten und Abnehmern, was Probleme bei Auslastung, Redundanz und Versorgungssicherheit verursacht. Darüber hinaus ist die derzeit verfügbare Elektrolyseleistung begrenzt, was zu dezentralen Produktionsstrukturen zwingt. Greiml verwies auf die Notwendigkeit eines Kernnetzes und entsprechender Speicher, um wirtschaftliche Betriebsmodelle zu ermöglichen.

Die Gestehungskosten für Wasserstoff können nur dann auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gebracht werden, wenn wesentliche Hebel greifen – etwa hohe Auslastung der Elektrolyseure, optimierte Standorte, effiziente Strombeschaffung, Netzentgeltbefreiungen und gezielte Förderungen.

Manuel Beschliesser (LAT Nitrogen) stellte das eingestellte Projekt „GrAmLi – Green Ammonia Linz“ vor. Das Projekt sollte grünen Wasserstoff für die Herstellung von grünem Ammoniak nutzen und war im Einklang mit der nationalen Wasserstoffstrategie konzipiert.

Trotz positiver Vorzeichen – technische Machbarkeit nachgewiesen, Genehmigungen vollständig vorhanden, zugesagte nationale und europäische Fördermittel, nutzbare Nebenprodukte (Sauerstoff, Abwärme), netzdienlicher Betrieb mit Peak-Shaving – musste das Projekt am 30. September 2025 eingestellt werden. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit war nicht gegeben. Laut Beschliesser liegen die Ursachen in Marktbedingungen, regulatorischen Unsicherheiten und fehlender Abnahmebereitschaft.

Er betonte, dass technologieoffene Ausschreibungen mehr berücksichtigen müssten als reine CO₂-Vermeidungskosten. Sektorale Besonderheiten und Übergangstechnologien würden sonst zu wenig erfasst. Zielgerichtete, sektorspezifische Förderungen seien notwendig; pauschale Förderlogiken greifen zu kurz.

Franz Winkler (HyCentA) präsentierte das Projekt „DeCarB – Decarbonising Carinthian Bus Transport“, das eine wirtschaftlich tragfähige und ökologisch nachhaltige Wasserstoffinfrastruktur für den Regionalverkehr in Kärnten aufbauen soll. Die Präsentation verdeutlichte konkrete Stärken von Wasserstoff im Mobilitätssektor, etwa kurze Betankungszeiten, Reichweiten von 400–700 km, lange Einsatzzeiten, geringe Abhängigkeit von Stromnetzausbau, da Energie lokal gespeichert werden kann. Ein zentrales Thema der Präsentation war die Auslegung der entsprechenden Infrastruktur.

Matthias Pastl (voestalpine) erläuterte den Transformationspfad der Stahlindustrie – von Pilotprojekten bis hin zur Entwicklung eines skalierbaren Business Case für Wasserstoff.

Die Stahlindustrie zählt zu den „hard-to-abate“-Sektoren: fossile Energieträger sind tief in den Prozessen verankert, während gleichzeitig der Druck zur Emissionsreduktion steigt – durch den Emissionshandel, internationale Wettbewerbsbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen.

Auf Basis der Projekte H2FUTURE und SuSteel wurde von der voestalpine Hy4Smelt entwickelt – ein Demonstrationsprojekt zur wasserstoffbasierten Stahlproduktion in Linz.

Hy4Smelt umfasst u. a.:
• Reinigung und Verdichtung von Wasserstoff
• Integration in bestehende Hochofenprozesse
• Entwicklung wasserstoffbasierter Produktionslinien

Pastl zeigte auf, dass die Wirtschaftlichkeit vom Zusammenspiel wesentlicher Faktoren abhängt:

  1. Kostenstruktur: Grüne H₂-Produktion ist derzeit teurer als fossile Alternativen; Strompreise, Netzentgelte und CO₂-Preise sind bestimmend.
  2. Förderlandschaft: Förderprogramme müssen langfristig planbar sein; Unsicherheiten gefährden Investitionen.
  3. Leitmärkte: Ohne Nachfrage nach „grünem Stahl“ fehlt ein Geschäftsmodell – ein „Green Premium“ muss am Markt realisierbar sein.
  4. Wettbewerbsfähigkeit: Standortnachteile müssen durch faire Rahmenbedingungen (z. B. CBAM) verhindert werden.
  5. Infrastruktur: Elektrolyseure, Speicher, Netze und Sicherheitskonzepte sind Voraussetzung für die Skalierung.

Pastl betonte, dass die Transformation ein langfristiger Prozess ist, der technologische, wirtschaftliche, regulatorische und infrastrukturelle Dimensionen verbindet. Wasserstoff sei eine Schlüsseltechnologie, aber nur im Zusammenspiel mit flankierenden Maßnahmen.

Breakout-Session: Finanzierung von großen Wasserstoffproduktionsprojekten

Entwicklung von Hydrogen-Clustern und deren Einbettung in ein zukünftiges Energiesystem

Die Breakout-Session mit Wolfgang Urbantschitsch (E-Control), Michael Haselauer (Netz Oberösterreich), Siegfried Kiss (RAG Austria) und Karoline Narodoslawsky (BMWET) fokussierte auf den Aufbau regionaler Cluster als Ausgangspunkt für eine nationale Wasserstoff-Infrastruktur. Im Zentrum standen der notwendige Dreiklang aus Elektrolyse, Transport und Abnehmern sowie die Bedeutung von First-Movern und lokaler Projektentwicklung. Thematisiert wurden auch die Anforderungen an Speicherlösungen sowie die Notwendigkeit klarer regulatorischer Rahmenbedingungen, technischer Standards und flexibler Strukturen, um Fehlanreize zu vermeiden und Investitionen zu ermöglichen.

Die Breakout-Session „Entwicklung von Hydrogen-Clustern und deren Einbettung in ein zukünftiges Energiesystem“ befasste sich mit der Frage, wie regionale Wasserstoffcluster aufgebaut und in ein übergeordnetes Energiesystem integriert werden können. Im Fokus standen die wesentlichen Bausteine eines Clusteransatzes – Elektrolysekapazitäten, geeignete Transportstrukturen und verlässliche Abnehmer – sowie die Bedeutung früher Projekte für den Markthochlauf. Ergänzend wurden Anforderungen an Speichertechnologien, notwendige regulatorische und technische Standards und die Bedeutung flexibler Planungs- und Entwicklungsprozesse diskutiert, um Fehlanreize zu vermeiden und Investitionen zu erleichtern. An der Session nahmen Wolfgang Urbantschitsch (E-Control), Michael Haselauer (Netz OÖ), Siegfried Kiss (RAG) und Karoline Narodoslawsky (BMWET) teil; moderiert wurde sie von Christoph Dolna-Gruber (Österreichische Energieagentur/HyPA).

Das BMWET betonte, dass der Markthochlauf schrittweise über regionale Cluster erfolgen soll – mit kleineren Elektrolyseuren, kurzen Leitungen und klar definierten Abnehmern. Fernleitungen würden erst in einer späteren Phase zum Tragen kommen. Obwohl derzeit erst wenige Wasserstoffleitungen bestehen, seien frühe Projekte entscheidend, um Erfahrungen zu sammeln und erste Marktstrukturen aufzubauen.

Netz OÖ hob hervor, dass Elektrolyseure möglichst früh in Industriegebieten angesiedelt werden sollten. Als Betreiber von Gas-, Strom- und Wasserstoffnetzen sieht das Unternehmen Vorteile einer integrierten Planung. Bereits heute gebe es relevante Überschussstrommengen. Projekte sollten sich daher nicht am aktuellen Bedarf orientieren, sondern frühzeitig Genehmigungen einholen, da Zuständigkeiten oft unklar seien. Viele potenzielle Abnehmer befänden sich zudem erst im Lernprozess. Wasserstoff sei ein wichtiges Element, jedoch Teil eines breiteren Energiespeicher- und Flexibilitätssystems.

Die RAG verwies auf Parallelen zum historischen Ausbau des Erdgasnetzes. Untertagespeicher würden eine zentrale Rolle spielen, insbesondere zur Nutzung von Stromüberkapazitäten. Erste kleinere Speicher sollen in ehemaligen Erdgaslagerstätten entstehen. Wasserstoff könne künftig wesentlich zum Lastausgleich beitragen – vorausgesetzt, entsprechende Speicher sind verfügbar. Die RAG arbeitet bereits seit drei Jahren an der Einspeicherung von reinem Wasserstoff im Rahmen von Underground-Sun-Conversion-Projekten. Aufgrund der internationalen Einbindung Österreichs entwickelt das Unternehmen Technologien auch für den Export und sieht Potenzial im Transit. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung von Pyrolyseverfahren.

Die E-Control ordnete den Wasserstoffhochlauf historisch ein – vergleichbar mit dem Aufbau des Erdgas- oder zuvor des Stromnetzes. Zentrale Anforderungen seien ein flexibler Ausbau, um Überkapazitäten und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Darüber hinaus brauche es mehr Ausbildung, klare Standards und einen verlässlichen Zugang zu Netzen, einschließlich der Einhaltung von Unbundling-Vorgaben.

Breakout-Session: Entwicklung von Hydrogen-Clustern und deren Einbettung in ein zukünftiges Energiesystem

Gespräch mit Bundesminister Hattmannsdorfer

Am Nachmittag diskutierte Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer (BMWET) gemeinsam mit Wolfgang Anzengruber über die nächsten Schritte für den Wasserstoffhochlauf. In einer begleitenden Pressekonferenz präsentierte Hattmannsdorfer die vier Wasserstoffprojekte, die aus Mitteln des Wasserstoffförderungsgesetzes (WFöG) mit insgesamt 275 Mio. Euro unterstützt werden. Diese decken zentrale Bereiche der Wasserstoffwirtschaft ab – von Elektrolyse und regionaler Infrastruktur über industrielle Nutzung bis zur Erzeugung wasserstoffbasierter Folgeprodukte.

Hattmannsdorfer: „Während die EU insgesamt rund eine Milliarde Euro für Wasserstoffprojekte in fünf Ländern mobilisiert hat, investiert Österreich allein rund 275 Millionen Euro. Das zeigt: Wasserstoff ist für uns kein Zukunftstraum, sondern ein industrielles Zukunftsfeld. Wir setzen ihn gezielt dort ein, wo er den größten Hebel hat – in energieintensiven Prozessen, als klimaneutraler Rohstoff und als Energiespeicher der Zukunft. Damit schaffen wir Innovation, sichern Arbeitsplätze und positionieren Österreich als verlässlichen Partner im europäischen Wasserstoffsystem.“

Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer (BMWET) im Gespräch mit Wolfgang Anzengruber (HyPA)

Panels: Internationale Kooperationen und industrielle Anwendungen

Hydrogen Imports & SoutH2 Corridor

Das Panel „Hydrogen Imports & SoutH2 Corridor“ beleuchtete regulatorische und technische Aspekte des geplanten Wasserstofftransportkorridors von Nordafrika über Italien nach Mitteleuropa. Petra Schwager (UNIDO), Piero Ercoli (SNAM), Andreas Drescher (RHI Magnesita), Bernhard Kluttig (BMWE, Deutschland) und Markus Exenberger (H2Global) diskutierten mit Judith Neyer (BMWET) die Rolle des European Hydrogen Backbone, Herausforderungen bei Finanzierung und Projektkoordination sowie internationale Governance-Fragen. Am Folgetag fand zudem das sechste trilaterale Arbeitstreffen der Arbeitsgruppe Österreich–Deutschland–Italien zum Südkorridor in Wien statt.

Panel: Hydrogen Imports & SoutH2 Corridor

Biomethan in Österreich – Herausforderungen und Chancen

Christina Fürnkranz (FGW), Peter Seidinger (OMV), Hubert Seiringer (Kompost- und Biogas Verband) und Bernhard Karnthaler (EVN Biogas) diskutierten über Ausbaupotenziale, gesellschaftliche Akzeptanz und bestehende Marktbarrieren von Biomethan in Österreich. Die Panelist:innen betonten, dass Österreich über die nötigen Kenntnisse sowie motivierten Marktakteure verfüge, aber verlässliche rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie unterstützende Begleitmaßnahmen erforderlich seien, um das Potenzial von Biomethan als wichtigen Baustein für ein resilientes Energiesystem heben zu können.

Panel: Biomethan in Österreich – Herausforderungen und Chancen

Scaling up! Industrieprojekte als Motor für die H₂-Zukunft

In dieser abschließenden Session präsentierten Gudrun Kollmitzer (OMV) und Matthias Pastl (voestalpine) Erfahrungen aus laufenden Industrievorhaben (140 MW Elektrolyseur der OMV sowie Hy4Smelt-Projekt der voestalpine) und diskutierten diese mit Brigitte Bach (AIT), Alexander Trattner (HyCentA) und Moderatorin Elvira Lutter (WIVA P&G). Deutlich wurde: Österreich verfügt über die gesamte industrielle Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von Komponenten bis zu kompletten Anlagen. Bestehende industrielle Strukturen – z. B. aus der Automobilindustrie – können in vielen Fällen ohne aufwendige Adaption genutzt werden, um künftig Wasserstofftechnologien in Österreich zu produzieren. Die Teilnehmer:innen betonten die Bedeutung planbarer, aber lernfähiger regulatorischer Rahmenbedingungen. Erfolgsfaktoren wie Kooperationsnetzwerke, stabile Fördermechanismen und der gezielte Aufbau gemeinsamer Forschungskapazitäten wurden als zentrale Hebel identifiziert, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

In der Session „Scaling up! Industrieprojekte als Motor für die H₂-Zukunft“ diskutierten Gudrun Kollmitzer (OMV), Matthias Pastl (voestalpine), Brigitte Bach (AIT), Alexander Trattner (HyCentA) und Moderatorin Elvira Lutter (WIVA P&G) zwei Großprojekte, die wichtige Impulse für den österreichischen Wasserstoffhochlauf setzen. Die Projektverantwortlichen berichteten über den Stand der Umsetzung und gaben Einblick in technische, organisatorische und regulatorische Herausforderungen. Forschungseinrichtungen ergänzten diese Perspektiven um den Bedarf an verlässlicher Infrastruktur, Tests und Validierung.

Im September erfolgte der Spatenstich für die neue Elektrolyseanlage der OMV in Bruck an der Leitha, die künftig erneuerbaren Wasserstoff für Prozesse in der Raffinerie Schwechat bereitstellen soll. Die geplante Leistung von 140 MW macht sie zu einem der größten Projekte Europas. Gudrun Kollmitzer erläuterte, wie komplex die Integration einer Anlage dieser Größenordnung in etablierte Raffineriestrukturen ist und wie wesentlich verlässliche Entscheidungs- und Genehmigungswege sind.

Nur eine Woche zuvor startete die voestalpine in Linz das Projekt Hy4Smelt. Die dort errichtete Pilotanlage demonstriert ein Verfahren zur wasserstoffbasierten Direktreduktion verschiedener Eisenerzqualitäten. Matthias Pastl betonte die Bedeutung dieser Technologie, da sie die Rohstoffbasis für CO₂-arme Stahlproduktion erweitert und einen zentralen Hebel für die industrielle Transformation darstellt.

Brigitte Bach (AIT) und Alexander Trattner (HyCentA) unterstrichen die Rolle unabhängiger Forschungseinrichtungen bei der Umsetzung solcher Großprojekte. Beide Institute stellen Test- und Prüfinfrastruktur bereit, unterstützen bei systemtechnischen und sicherheitsrelevanten Fragestellungen und begleiten die industrielle Skalierung wissenschaftlich. Da die technische Komplexität weiter zunimmt und sich internationale Anforderungen verschärfen, seien aus ihrer Sicht zusätzliche F&E-Investitionen notwendig. Eine vom Klima- und Energiefonds beauftragte Analyse soll klären, wo Mittel künftig am effektivsten eingesetzt werden.

 

Take Aways von Moderatorin Elvira Lutter

• Österreich kann Wasserstoff:
Von Komponenten über Systemintegration bis hin zu kompletten Anlagen deckt Österreich in der Industrie – vom Klein- bis zum Großunternehmen – die gesamte Wertschöpfungskette ab. Bestehende industrielle Strukturen, etwa aus der Automobilindustrie, können weitgehend ohne aufwendige Umrüstungen genutzt werden, um künftig Wasserstofftechnologien in Österreich zu produzieren.

• Planbare und zugleich flexible Rahmenbedingungen:
Planungssicherheit bei Regulierung (klare Benennung zuständiger Behörden, Beschluss relevanter Gesetze) und Finanzierung ist eine Grundvoraussetzung für Investitionen in grünen Wasserstoff. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen im Markthochlauf flexibel genug bleiben, um aus Projekterfahrungen zu lernen und sie weiterzuentwickeln.
Beispiel Planungssicherheit: Die Vorgaben aus RED III und den Delegierten Rechtsakten zu RFNBO haben gezielt Investitionen in grünen Wasserstoff für Raffinerien ausgelöst – in Europa (Hydrogen Bank) und in Österreich (OMV, 140-MW-Elektrolyse). Sie bilden die Grundlage für Business Cases, wie sie Unternehmen für Investitionsentscheidungen benötigen.

• Kooperation steigert Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit:
Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschung (UpHy I + II, Hy4Smelt) sowie der Erfahrungsaustausch innerhalb der Industrie (z. B. über Betriebserfahrungen von Elektrolyseuren) senken technische und finanzielle Risiken und verbessern den optimalen Anlagenbetrieb.

• „Klasse statt Masse“ bei F&E-Infrastruktur:
Forschungseinrichtungsübergreifende Kooperationen bei F&E-Infrastruktur – anstelle vieler kleinteiliger Einzellösungen – sind entscheidend, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wasserstoffforschung langfristig sicherzustellen.

Panel: Scaling up! Industrieprojekte als Motor für die H₂-Zukunft

Fazit

Die Jahrestagung von HyPA und SEG hat gezeigt, wie viel Dynamik derzeit im Aufbau der österreichischen Wasserstoff- und Biomethanwirtschaft steckt – und wie komplex dieser ist. Von regulatorischen Grundlagen über Pilotprojekte bis hin zu industriepolitischen Leitentscheidungen wurde deutlich: Der Hochlauf erneuerbarer Gase erfordert nicht nur Technologien und Investitionen, sondern vor allem auch Kooperation und verlässliche Rahmenbedingungen.

In Panels und Breakout-Sessions wurde sichtbar, dass sich zentrale Themen herauskristallisieren – darunter Fragen der Finanzierung, der Zertifizierung sowie der regulatorischen Umsetzung, der Netz- und Speicherinfrastruktur sowie der internationalen Zusammenarbeit. Erfolgreiche Beispiele und gescheiterte Vorhaben wurden gleichermaßen offen diskutiert. Das Verständnis, dass die Transformation nur gemeinsam gelingen kann – über Ressort-, Branchen- und Ländergrenzen hinweg – zog sich als roter Faden durch die Veranstaltung.

HyPA und SEG werden diesen Weg weiter begleiten: als Plattformen, die fachliche Orientierung bieten, Austausch ermöglichen und dabei helfen, aus Innovationskraft marktfähige Anwendungen und wirtschaftliche Erfolge im Bereich des Wasserstoffs und der erneuerbaren Gase zu machen.