Global Gateway in der MENA-Region: EU erhebt Interessen im Bereich Klima und Energie

Im Rahmen der EU-Strategie Global Gateway und des im November 2025 vorgestellten Pact for the Mediterranean hat die Europäische Kommission einen General Call for Expressions of Interest veröffentlicht. Der Aufruf richtet sich an europäische Unternehmen, die ein wirtschaftliches Interesse an Aktivitäten in Nordafrika und dem Nahen Osten (MENA-Region) haben.

Der Call ist kein Förderinstrument und kein klassischer Projektaufruf. Ziel ist vielmehr eine strukturierte Marktbeobachtung, um Interessen, Hemmnisse und Einschränkungen des europäischen Privatsektors systematisch zu erfassen. Auf dieser Basis sollen künftige EU-Unterstützungsinstrumente sowie politische Dialogformate gezielter ausgestaltet werden.

Marktsondierung statt Projektauswahl

Der Call wird von der Generaldirektion für den Nahen Osten, Nordafrika und den Golf (DG MENA) durchgeführt und ist offen sowie zeitlich unbegrenzt angelegt. Er dient als dauerhafte Kommunikationsschnittstelle zwischen der Europäischen Kommission und dem europäischen Privatsektor.

Unternehmen können ihre Interessen unter anderem in Form konkreter Projekt- oder Investitionsvorhaben, als Bedarf an nicht-finanzieller Unterstützung oder als allgemeines Interesse an einer stärkeren wirtschaftlichen Präsenz in der MENA-Region einbringen. Die Teilnahme ist nicht mit einer Auswahl, Bewertung oder Finanzierung verbunden.

Thematischer Fokus: Klima und Energie

Die inhaltliche Ausrichtung des Calls orientiert sich an den strategischen Prioritäten des Pact for the Mediterranean und von Global Gateway. Ein Schwerpunkt betrifft den Bereich Klima und Energie, darunter saubere und erneuerbare Energien, grüne Technologien, Energieinfrastruktur sowie Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Energiesicherheit und Anbindung an die EU. Der thematische Rahmen umfasst damit auch Aktivitäten entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette.

Wer kann teilnehmen?

Teilnehmen können Unternehmen mit Sitz in der EU bzw. im EWR, die ein wirtschaftliches Interesse an Aktivitäten in Nordafrika und dem Nahen Osten haben. Der geografische Anwendungsbereich des Calls umfasst unter anderem Algerien, Ägypten, Marokko, Tunesien, Jordanien, Israel, den Libanon und Irak.

Die Einreichung erfolgt elektronisch über dieses EU-Survey-Tool. Der Call ist seit 17. Dezember 2025 geöffnet und hat kein festgelegtes Enddatum.

Einordnung: Was bedeutet der Global-Gateway-Rahmen?

Global Gateway ist mit einem Investitionsziel von mehreren hundert Milliarden Euro hinterlegt, stellt jedoch kein eigenes Förderprogramm dar. Vielmehr fungiert Global Gateway als strategischer Ordnungsrahmen, unter dem bestehende EU-Instrumente – etwa Zuschüsse, Garantien, Darlehen oder technische Hilfe – gebündelt und koordiniert eingesetzt werden. Projekte, die den Global-Gateway-Prioritäten entsprechen, können dadurch politisch priorisiert und gegebenenfalls leichter an bestehende Unterstützungsinstrumente angebunden werden. Ein Automatismus für Förderung besteht jedoch nicht.

Der nun veröffentlichte Call ist in diesem Kontext als früher, vorbereitender Schritt zu verstehen. Er schafft Transparenz über Marktinteressen und strukturelle Hürden und bildet eine Grundlage für spätere Unterstützungsmaßnahmen.