Nachbericht HyPA Quarterly: Wasserstoffspeicher in Österreich – Kosten, Rechtsrahmen und systemische Rolle
Mit dem ersten HyPA Quarterly hat die HyPA-Community am 21. Jänner 2026 ein neues Online-Format für fachlichen Austausch und Diskussion gestartet. An der Veranstaltung nahmen mehr als 100 Vertreter:innen aus Verwaltung, Industrie und Forschung teil. Im Zentrum stand die Studie „Wasserstoffspeicher in Österreich“, die von der Österreichischen Energieagentur gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben, dem Austrian Institute of Technology sowie NHP Rechtsanwälte erarbeitet und im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus erstellt wurde.
Begrüßung und Einordnung: Speicher als strategischer Schlüssel
In seiner Begrüßung stellte Moderator Frederik Schäfer (HyPA) die HyPA-Community vor. Diese versteht sich als Plattform für Information, Vernetzung und Dialog entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Das HyPA Quarterly dient von nun an als quartalsweises Austauschformat zur fachlichen Diskussion aktueller Fragestellungen rund um Wasserstoff in Österreich.
Einführende Worte sprach Judith Neyer, Leiterin der Abteilung für strategische Energiepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus. Sie ordnete die Studie in den laufenden Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ein und betonte, dass dieser nur gelingen könne, wenn alle Teile der Wertschöpfungskette – von Produktion und Nachfrage bis hin zu Infrastruktur und Marktregeln – gemeinsam betrachtet werden.
Vor diesem Hintergrund gewinne die Frage der Wasserstoffspeicherung zunehmend an Bedeutung. Speicher seien ein zentraler Baustein für Versorgungssicherheit und Kostenstabilität und damit für die Energiewende insgesamt. Darüber hinaus verfüge Österreich über bestehende Infrastrukturen und geologische Voraussetzungen, die auch im europäischen Kontext eine wichtige Rolle spielen könnten. Die Studie liefere dafür eine wichtige Entscheidungsgrundlage, werfe aber bewusst auch neue Fragen auf.
Studie: Aufbau, Bedarf und Potenziale
Studienleiter Martin Baumann (Österreichische Energieagentur) stellte zunächst Scope und Aufbau der Studie vor. Untersucht wurden vier Themenfelder:
- der künftige Wasserstoffspeicherbedarf bis 2040,
- Potenziale, Technologien und Standorte für geologische Speicher in Österreich,
- die ökonomischen Aspekte der Wasserstoffspeicherung sowie
- der rechtlich-regulatorische Rahmen.
Ausgehend von einem erwarteten Wasserstoffbedarf von rund 48 TWh im Jahr 2040 (laut ÖNIP) ergibt sich ein Speicherbedarf von bis zu 7,7 TWh. In den Jahren davor liegt der kostenoptimale Speicherbedarf bei 1,2 TWh (2030) bzw. 6,8 TWh (2035). Speicher werden dabei vor allem als saisonale Jahresspeicher eingesetzt, um den im Sommer eingespeicherten Wasserstoff in Gaskraftwerken im Winter rückzuverstromen.
Mit Blick auf die Potenziale unterstreicht die Studie, dass in Österreich vor allem Porenspeicher in Frage kommen. Kurz- bis mittelfristig liegt das technisch nutzbare Potenzial bei 3,2 bis 5 TWh, langfristig – neben Neubauten auch durch Umwidmung bestehender Erdgasspeicher – gar bei rund 30 TWh. Technische Herausforderungen bestehen unter anderem bei Gasaufbereitung und Kompression, gelten aber grundsätzlich als lösbar. Die Realisierung eines Speicherprojekts erfordert laut Studie mindestens fünf Jahre.
Ökonomische Ergebnisse: hohe Unsicherheiten, klare Kostentreiber
Im ökonomischen Teil präsentierte Martin Baumann zentrale Ergebnisse zu den Kosten der Wasserstoffspeicherung. Die Berechnungen basieren auf Literaturdaten, ergänzt und plausibilisiert durch Interviews mit Stakeholdern, und fokussieren auf österreichische Porenspeicher.
Die Levelized Cost of Storage (LCoS) liegen – je nach CAPEX-Annahmen – in einer großen Bandbreite (42 €/MWh-127 €/MWh). Als wesentliche Kostentreiber wurden identifiziert:
- die geologischen Standortbedingungen (Tiefe, Struktur, Gestein),
- Annahmen zum Kissengas,
- Anforderungen an Druck und Gasqualität,
- die Betriebsweise (insbesondere saisonale Nutzung),
- sowie die bislang begrenzten Praxiserfahrungen.
Im Vergleich zu Erdgas sind die Speicherkosten für Wasserstoff deutlich höher (Faktor 4,5-5,0 – bezogen auf die Speicherentgelte). Hauptgrund ist die geringere volumetrische Energiedichte von Wasserstoff sowie zusätzliche technische Anforderungen, etwa bei der Reinigung des ausgespeicherten Gases. Gleichzeitig wurde betont, dass sich die bestehenden Unsicherheiten nur durch konkrete Projekte und Betriebserfahrung reduzieren lassen.
Rechtlicher Rahmen: zulässig, aber fragmentiert
Der rechtliche Teil wurde von Florian Stangl (NHP Rechtsanwälte) vorgestellt. Sein Befund: Die geologische Wasserstoffspeicherung ist in Österreich grundsätzlich zulässig, aber nicht explizit geregelt. Ein klarer, spezifischer Rechtsrahmen fehlt bislang.
Da kein eigener UVP-Tatbestand für Wasserstoffspeicher existiert, kommt es in der Praxis zu mehreren Einzelverfahren: Untertägige Anlagenteile werden in der Regel nach dem Mineralrohstoffgesetz (MinroG) beurteilt, obertägige Anlagenteile nach der Gewerbeordnung. Diese Trennung erschwert eine koordinierte Genehmigung und kann zu längeren Verfahren führen.
Hervorgehoben wurde zudem die Rolle der Raumordnung. Für obertägige Anlagenteile kann eine passende Widmung erforderlich sein; auf Umwidmungen besteht jedoch kein Rechtsanspruch. Damit kann die Raumordnung zu einem zentralen Flaschenhals für Projekte werden. Als Ausblick wurden mögliche Vereinfachungen durch das angekündigte Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz („One-Stop-Shop“-Ansatz) angesprochen (gilt jedoch wohl nicht für die Frage der Widmungserfordernis).
Diskussion: breite Beteiligung und vertiefende Debatte
Es folgte eine Diskussion mit diversen Wortmeldungen und inhaltlichen Vertiefungen.
Skalierung und technologische Abgrenzung
Diskutiert wurde, ob der Fokus auf geologische Speicher andere Speicheroptionen verdrängt. Dabei wurde klargestellt, dass es sich um eine Frage der Größenordnung handelt: Für saisonale Speicherbedarfe im Terawattstundenbereich kommen nur geologische Speicher in Frage. Obertägige, kryogene oder Hochdruckspeicher wurden als ergänzende Lösungen für kurz- und mittelfristige Anwendungen eingeordnet.
Sicherheit
Zudem wurden Sicherheitsaspekte differenziert eingeordnet. Erfahrungen aus laufenden österreichischen Pilot- und Demonstrationsprojekten, die im Rahmen der Diskussion eingebracht wurden, deuten darauf hin, dass geologische Wasserstoffspeicher technisch dicht betrieben werden können und stoffliche Verluste – etwa durch mikrobiologische oder chemische Reaktionen – nach heutigem Kenntnisstand gering und wirtschaftlich nicht relevant sind. In diesem Zusammenhang wurde angekündigt, dass HyPA im Frühjahr ein eigenes Factsheet zum Thema Sicherheit veröffentlichen wird.
Recht, Raumordnung und Umsetzung
Ein funktionierender Zugang zu Speichern wurde grundsätzlich als essenziell für den Hochlauf gesehen – im Zusammenspiel mit dem geplanten österreichischen Wasserstoff-Startnetz in den frühen 2030er-Jahren. Mehrere Beiträge unterstrichen dabei die Bedeutung einer frühzeitigen Abstimmung mit Behörden und Gemeinden in der Projektanbahnung.
Erneuerbarer Strommix und RFNBO-Konformität
Im Zuge der inhaltlichen Einordnung wurde auch der österreichische Strommix thematisiert. Mit 90,1 % erneuerbarer Stromerzeugung im Jahr 2024 erfüllt Österreich die Voraussetzungen der EU-RFNBO-Regulierung für die Nutzung von netzbezogenem Strom zur (grünen) Wasserstoffproduktion. Daraus ergibt sich ein fünfjähriger Zeitraum, in dem Elektrolyseure Netzstrom RFNBO-konform nutzen können. Dies wurde als Standortvorteil für den frühen Hochlauf eingeordnet – wenn auch zu bedenken ist, dass dieser Zeitraum nur bis einschließlich 2029 gilt (sofern nicht in den kommenden Jahren die 90%-Schwelle wiederum überstiegen wird).
Nächstes HyPA-Quarterly
Die Termine und Themen der nächsten Quarterlys stehen noch nicht fest. In Kürze wird das HyPA-Management eine Umfrage an die Mitglieder der HyPA-Community schicken, um Präferenzen und Anregungen für die Themenauswahl abzufragen.
Download
- Studie „Wasserstoffspeicher in Österreich“: HIER
- Präsentation Ökonomische Aspekte: HIER
- Präsentation Rechtliche Rahmenbedingungen: HIER
Videoaufzeichnung der Veranstaltung: HIER
Anmeldung zur HyPA-Community: HIER